Frauen & Finanzen
Eine eigene Altersvorsorge ist für Frauen besonders wichtig. Finden Sie heraus, wie Sie in wenigen schnellen Schritten zur passenden Strategie gelangen.
Ein Mann ist keine Altersvorsorge
Frauen sind in den meisten Haushalten die Finanzminister. Sie entscheiden über die Einkäufe – und sie kontrollieren häufig die Kontoauszüge. Und doch verlieren viele von ihnen an einer Stelle die eigenen Finanzen aus den Augen: Sie sorgen nicht ausreichend für das Alter vor. Dabei leben sie statistisch gesehen länger als Männer.

- Selbst ist die Frau – auch bei der Altersvorsorge: Mit einem eigenen Sparvertrag die Zukunft in die Hand nehmen. Quelle: BVI.
So viel haben Männer – und so wenig Frauen
Ein deutlicher Unterschied: Frauen bekommen (im Schnitt) nicht nur deutlich weniger Geld aus der Rentenkasse. Sie legen auch weniger privat zurück, da sie im Schnitt weniger als Männer verdienen und sich häufiger um die Kinder und den Haushalt kümmern, während der Mann weiter Vollzeit arbeiten geht. Die folgende Grafik zeigt einen typischen Fall: Der Mann spart länger und mehr, ohne „Aussetzer“ zwischendurch. Und er hat bei Eintritt in den Ruhestand achtmal so viel Geld auf der hohen Kante. Die Altersvorsorge der Frau allein reicht für sie nicht aus. Um finanziell unabhängig zu sein, muss sie regelmäßig etwas zurücklegen.

- Kinderpause und Teilzeitjobs führen oft dazu, dass Frauen weniger gut fürs Alter vorsorgen können als Männer.
So geht es – Die 5-Minuten-Altersvorsorge
Kassensturz machen
Die meisten wissen ziemlich genau, wie viel Geld sie am Ende des Monats noch übrig haben – oder übrig haben könnten, wenn sie sich ein wenig einschränken. Wie viel ist es bei Ihnen? Sie müssen jetzt nur noch entscheiden, wie viel Sie monatlich zurücklegen wollen.
3 Säulen der Altersvorsorge
Die gesetzliche Rente reicht im Alter nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Ergänzen lässt sie sich über die betriebliche und die private Altersvorsorge – auf allen drei Wegen kann für das Alter gespart werden. Also: Wer Geld über die betriebliche Altersvorsorge vom Chef hinzubekommt (Stichwort: Entgeltumwandlung), sollte das mitnehmen. Außerdem sollten Sie sich die staatliche Riester-Förderung nicht entgehen lassen – Anträge gibt’s bei Banken, Sparkassen und Fondsgesellschaften. Dabei schießt der Staat Geld hinzu.
Flexibel sparen
Denken Sie darüber nach, welche Pläne Sie im Leben haben. Finanziell flexibel bleiben lohnt sich, denn häufig ändern sich Arbeitgeber, Wohnort oder andere Lebensumstände. Bei Fondssparplänen zum Beispiel lässt sich der monatliche Sparbetrag jederzeit ändern – oder eine Spar-Pause einlegen.
Breit anlegen
Der Mix macht’s. Für den Erfolg der Geldanlage – also die Rendite – ist Ihre Aufteilung des Vermögens in Anlageklassen wichtiger als die Auswahl einzelner Produkte. Als Faustregel gilt: 100 minus Lebensalter ergibt in etwa die Quote an Aktienfonds, die Sie in Ihrem Depot haben sollten.
Loslegen
Je früher, desto besser. Denn je länger man mit dem Sparen wartet, desto mehr muss man jeden Monat einzahlen, um den gewünschten Anlageerfolg zu erreichen. Aufschieben bringt also nichts.
Die größten Vorsorge-Fehler
Gar nicht sparen: Wer sich allein auf den Partner verlässt, steht am Ende ohne Erspartes da. Deshalb brauchen Frauen ihren eigenen Altersvorsorgevertrag. Ein Sparbetrag sollte im monatlichen Budget fest eingeplant werden.
Zu zaghaft anlegen: Viele Frauen verbauen sich Chancen auf ordentliche Zuwächse. Die Statistik zeigt: Frauen investieren konservativer als Männer und haben daher weniger Anteil am Aktienmarkt, der ihre Sparanstrengungen unterstützen könnte. So besitzen 29 Prozent der Männer Investmentfonds, 19 Prozent haben Aktien – unter Frauen legen nur 20 Prozent in Fonds und 12 Prozent in Aktien an.
Starre Produkte wählen: Besser ist es, wenn zumindest ein Teil des Ersparten schnell verfügbar ist. Täglich flüssig ist nicht nur das Tagesgeldkonto. Auch aus Investmentfonds lässt sich das Geld jederzeit wieder entnehmen. Und bei einem Sparplan lässt sich die monatliche Rate ohne weiteres reduzieren oder aussetzen – ohne Kosten.
Gar nicht oder falsch beraten lassen: Die Vorsorgebedürfnisse von Frauen sind anders als die von Männern. Deshalb gibt es immer mehr Beratungsangebote speziell für Frauen: In vielen Städten bieten unabhängige Finanzberaterinnen ihre Dienste an, aber auch manche Banken haben Frauen als Zielgruppen erkannt.
Was Kinder mit Rente zu tun haben
Karriere oder Kind? Karriere UND Kind! Frauen hören heute schon längst nicht mehr auf zu arbeiten, wenn sich Nachwuchs anmeldet. Nach der Babypause geht es weiter im Job. Und dennoch haben Frauen im Alter oft weniger Geld als Männer. Daher ist Sparen für Frauen umso wichtiger.
Soll er doch mal zu Hause bleiben!
Und schon sind 30 Euro für den Babysitter gespart, wenn Sie sich mit einer Freundin treffen wollen. Zweimal im Monat macht das eine ordentliche Altersvorsorge. Rechnen Sie nach!
„Ein Gefühl von Sicherheit“
Frauen legen Geld an – aber anders. Sie haben andere Ziele und andere Wünsche. Andrea Joost ist Vertriebsdirektorin bei der DekaBank und kennt die Bedürfnisse von Frauen bei der Vermögensanlage. Im Interview erklärt sie, warum nur finanzielle Unabhängigkeit auch Sicherheit bedeutet.
Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, dass Frauen sich selbst um ihre finanzielle Zukunft kümmern?
Für Frauen gibt es viele gute Gründe, ihre Vermögensanlagen in die eigene Hand zu nehmen und finanziell vorzusorgen. Es beginnt damit, dass sie im Durchschnitt eine höhere Lebenserwartung als Männer haben. Zudem sind die Erwerbsbiographien vieler Frauen durch Babypausen oder Zeiten der Familienpflege oftmals wechselhaft. Und nicht zu vergessen: Durchschnittlich verdienen weibliche Beschäftigte immer noch weniger als ihre männlichen Kollegen. Wer finanziell auf eigenen Beinen stehen will und auch als Rentnerin sorgenfrei leben möchte, sollte schon frühzeitig an morgen denken.
Wie unterscheiden sich Männer und Frauen bei der Vermögensanlage?
Frauen „ticken“ bei der Geldanlage anders als Männer. Neben einem höheren Informations- und Sicherheitsbedürfnis ist ihnen Flexibilität wichtig. Dies hängt vor allem mit weiblichen Lebensläufen zusammen, die sich von männlichen deutlich unterscheiden, da sie zum Beispiel Erziehungs- oder Pflegezeiten beinhalten. Untersuchungen zeigen außerdem, dass Frauen langfristiger investieren und gründlicher als Männer über ein Investment nachdenken.
Was sollten Frauen beachten, um finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen?
Sie sollten sich Zeit nehmen und zuallererst eine Bestandsaufnahme machen: Wie viel Geld habe ich schon gespart, wie viel Geld wird mir nach dem Rentenbeginn zur Verfügung stehen? Dann sollte ein gezielter Blick auf das bisher Ersparte folgen: Was ist davon für kurz- und mittelfristige Ausgaben und Wünsche bestimmt, was soll langfristig gespart werden? Darüber hinaus sollten Frauen die Grundregel für sämtliche Geldanlagen beherzigen: Je früher mit dem Sparen begonnen wird, desto größer wird das Vorsorgevermögen – dem Zinseszinseffekt sei Dank.
Hinzu kommt: Je länger der Anlagehorizont, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass bei Wertpapieranlagen, trotz der Kursschwankungen beispielsweise an den Aktienmärkten, am Ende ein Renditeplus winkt. So bieten Fonds beispielsweise langfristig attraktive Renditechancen und mit flexiblen Fondssparplänen können die Sparraten an die jeweilige Lebenssituation anpasst werden. Wichtig ist: Frauen benötigen keine „eigenen“ Finanzprodukte, aber eine für jede Lebensphase optimale Anlagestrategie mit den dazu passenden Produkten.

